Sonntag, 9. Oktober 2011

Native Instruments iMaschine



Also ich muss ja zugeben, das ich zunächst recht skeptisch war, als Native ankündigte eine App der "Maschine" für das IOS rauszubringen.
Seit ein paar Tagen habe ich es nun. Gleich am ersten Tag der Veröffentlichung schaffte es die iMaschine bei Itunes in die Download Top 10. Das Interesse scheint also allgemein recht hoch zu sein.
Für einen Einstiegspreis von 3,99 kann man allerdings auch nicht unbedingt viel falsch machen und wenn ich mich recht entsinne war der vom Mitbewerber Akai, mit der Synthstation seinerzeit höher.

Die iMaschine ist recht fix geladen und wie ihr Kollege für den Computer Sampelbasiert.
Die Qualität der mitgelieferten Werkspresets ist ziemlich gut, die Drums knallen und klingen spontan recht durchsetzungsfähig.
Die Auswahl der mitgelieferten Sounds ist o.k, vor allem wenn man die gute Klangqualität berücksichtigt, die bei Grooveapps für Apples touch Geräte ja nicht immer Standard ist.
Gewünscht hätte ich mir mehr polyphon spielbare Klänge, dabei sind ein paar Standards, auch hier von guter Qualität aber nicht unbedingt für jeden Geschmack.
Aufrüsten kann man den Vorrat der internen Klänge durch In-App Angebote. Besitzer der Original Maschine werden sich bei den Namen der Packs sofort an die Packs für die "große" Maschine erinnert fühlen. Ich selber habe noch keines geladen, vermute aber mal das viele der angebotenen Sampels identisch sind.

Sympathischer für die Klangbastler unter uns ist allerdings sowieso die Option eigene Sampels über Itunes zu importieren oder gleich über das interne Mic. aufzunehmen, bzw. externes, wenn man über ein solches verfügt.



Insgesamt präsentiert sich die iMaschine sehr durchdacht und ausgewachsen, ich hatte ja zunächst befürchtet, das es so ein Optionsüberladenes Featuremonster wird.
Aber nichts dergleichen! Die App ist sehr Zielgerichtet auf die Bedienung des I-Phone/I-pod touch ausgelegt, eine spezielle I-pad Version gibt es nicht/noch nicht.
Die Bedienelemente sind alle genau richtig platziert und auch groß genug für Grobmotoriker, so das unterwegs gut musiziert werden kann.
Das Prinzip der Gruppen ist aus der Maschine übernommen und findet sich auch in iMaschine wieder, es gibt die Soundgruppen A,B,C und D.
A ist für Drums, hier finden sich 16 Drumpads, B und C sind für Melodieparts und Bassläufe zuständig.
Der Sequencer funktioniert sehr gut, es ist im Grunde das was ich eher von Akai erwartet hatte. Man kann entweder bei laufendem Sequencer rec. drücken und startet die Aufnahme direkt und man kann ins laufende Pattern spielen.
Wenn man bei gestoppten Sequencer rec. startet, zählt iMaschine, wie eine MPC einen Takt vor und startet dann die Aufnahme.
An Spielhilfen gibt es für die ersten 3 Parts eine Chord bzw. Note repeat Funktion (schon aus MPC´s bekannt) hier kann man aus 5 Modi zwischen 1/8 und 1/32 tel wählen.
Die Patternlänge erkennt iMaschine automatisch, man kann aber auch nachkonfigurieren.
32 Bars sind hier die Obergrenze, ungerade Werte gehen nicht, es gibt fix 1,2,4,8,16 und 32 Bars.

Wirklich schade ist, das man im Sequencer nur ein Pattern, aber keinen Songmode hat.
Ein einfacher Songsequenzer in dem man die Albspielfolge von ein paar Pattern bestimmen kann, wie man das z.b aus einer MPC 2000 kennt, hätte da schon gereicht. Also einfach nur Listen erstellen.
So ist man stets genötigt die Patterns in eine DAW oder eben Maschine zu exportieren um sie umfangreicher zu arrangieren, zum Glück funktioniert der Export recht easy.

Erstaunlicherweise kann man keine Steps setzen, weder so, noch in der Nachbearbeitung.
Ich persönlich bauche das nicht unbedingt, aber ich könnte mir vorstellen das sich in der Zielgruppe das einige gewünscht hätten.

Was man im nächsten Bild sieht ist der Aufnahmemodi auf Gruppe D, aufgenommen wird hauptsächlich ins laufende Pattern, es handelt sich hierbei also nicht um den Aufnahmemodi für Sampels sondern eher um rudimentäres HD. Lustig ist es schon in einen Drumrythmus ein paar Shouts oder Vocals einzufügen, die kann man dann, wie alle internen Klänge auch, nachträglich mit Effekten versehen.



Im nächsten Bild ist der interne Mixer, man kann Lautstärke einstellen (klar was auch sonst) und die Effekte an und ausschalten. Das war's...! Keine EQ oder ähnliches, Frequenzbearbeitung nur über die Synthesefilter in den FX.
2 FX Routings gibt es hier pro Spur, wobei die beiden FX für jede Spur die selben sind und auch die Modulation nur global verändert werden kann.
Die Qualität der Effekte ist so lala, wirklich toll also nicht, aber brauchbar für den mobilen Einsatz. Die Filter klingen zu sehr nach Plastik und reagieren eher etwas träge, besonders mit hohen Resonsnzwerten ist der Klang eher digital.
Es gibt: Chorus, Lofi, Delay, Flanger und Filter Tief, Hoch und Bandpass, alle mit 3 Werten modulierbar, also MIx und Mod.Rate und Mod.Amt. bzw Frequenz und Resonanz bei den Filtern.




Das nächste Bild zeigt die schon angesprochenen Bearbeitung für die Patterns, Praktisch ist die Undo und UndoHistory bzw. Redo Funktion, Clear löscht jeweils die Aufnahme der ganzen Gruppe



Im folgenden zu sehen: Die Sampelbearbeitung, trimmen, pitchen und Panoramaeinstellung,
auch Sampels selber Aufnehmen geht über diesen Bildschirm.
Erstaunlich ist übrigens welch gute Qualität schon über das interne Mic. des I-pod/Phones möglich sind.



Das folgende Foto zeigt die interne Library bzw. Soundauswahl. Da gibts nix zu meckern, einfach und gut.
Hierarchisch geordnet nach Intern und User und in diesem Beispiel Drumkit und Einzelsampel



Das letzte Foto zeigt den IN App Store von Native, die Preise sind durchaus moderat.



Fein ist, das beim Laden von Soundgruppen nicht gleich stielgerechte Demopatterns mittgeladen werden. Eine Sache die mich bei einigen Mitbewerbern von Native zunehmend nervt, auch wenn es für Anfänger manchmal praktisch sein kann um gleich mal ein wenig los zu jammen.

Insgesamt kommt iMaschine sehr reduziert daher und das im positiven Sinne. Man kann schön ein paar Grooves bauen und sich ganz aufs spielen konzentrieren. Wer will auch unterwegs studiomäßige Optionsfülle beherschen müssen?
Super also als Ergänzung zu Maschine oder auch einfach so. Denn Erfahrung muss man nicht haben für die kleine Grooveschleuder.
Macht spontan einen Höllenspaß.

Fehlen würde mir noch der bereits erwähnte Songsequenzer, den so macht die Exportfunktion nach Soundcloud, direkt aus der App heraus irgendwie auch keinen Sinn. Es mag Leute geben die sich einfach nur Demopattern anhören, aber Spaß macht das eigentlich nicht.
Drumgrid, zumindest zum nachbearbeiten wäre auch nicht übel.

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