Als kleine Einleitung möchte ich meine nicht ganz unkomplizierte Einstellung zu Midi Controllern noch einmal kurz erläutern.
Ich war, wie viele die schon auflegen seitdem Platten noch das wichtigste Medium des DJ‘s waren, zu Anfang sehr skeptisch und ablehnend gegenüber Midi Controllern die zur Steuerung von DVS genutzt werden.
Als ich 2009 auf die Musikmesse nach Frankfurt kam musste ich allerdings feststellen das die Industrie diesbezüglich keine Bedenken hatte.
Fast jede große Firma hatte zumindest ein oder zwei dieser Geräte im Sortiment.
Für mich als Scratch DJ waren die meisten einfach nur Mist.
Das schlimmste an den Dingern war für mich dass sich nicht‘s selbstständig drehte und damit meine ich die Teller/Jogwheels. Nicht‘s was sich anhalten, einwerfen und zurückziehen lassen konnte.
„Das geht doch bei einem Jogweehl“ werden jetzt einige sagen, aber ich sage: es ist nicht das gleiche wenn kein Motor unterm Teller sitzt!

Und für alle die das nachvollziehen können hat Numark den V7 erschaffen...
Entstanden als Weiterentwicklung aus dem Komplett-Controller NS7. Der NS7 war mir schon auf der Musikmesse 2009 positiv aufgefallen aber für mich irgendwie „too much“.
Der V7 ist aus meiner Sicht etwas vielseitiger, da man ihn in ein vorhandenes Set integrieren und mit jedem Mixer seiner Wahl kombinieren kann.
Nun aber zu den Fakten:
Der V7 ist ein Midi Controller für Serato Itch mit einem eingebauten Audio Interface
Das Audio Interface dient wie bei Serato gewohnt als Dongle um Itch‘s zweites Deck bzw. den „online Mode“ freizuschalten.
Der ganze Controller hat etwa die Ausmaße eines DJ CD Players und ist verdammt schwer. Das ganze Gerät macht einen sehr hochwertigen und robusten Eindruck.
Der V7 hat zwei Chinch Ausgänge um an die Line-Eingänge eines Mixer‘s angeschlossen zu werden. Ein USB-Anschluss für die Verbindung zum Laptop befindet sich ebenfalls auf der Rückseite des V7. Remote Anschluss, Power Knopf und der Kaltgerätestecker Anschluss runden das gewohnte Bild einer Ordnungsgemäßen Controller-Rückseite ab.
Es gibt da aber noch ein paar Sachen die einem neu bzw. ungewöhnlich erscheinen. Zum Einen wäre da eine Anschlussbuchse für ein LAN-Kabel, sowie zum Anderen zwei Schieberegler jeweils für die Deckposition und die Antriebsstärke. Während die Schieberegler relativ Selbsterklärend sind, so steht der LAN-Anschluss nur zur Diskussion wenn man einen zweiten V7 besitzt. Ist dies der Fall werden die beiden Geräte mittels eines LAN Kabels verbunden. Auch in diesem Falle wird nur ein V7 mit dem Laptop verbunden. Dieser ist dann das „Master-Deck“. Das „Master-Deck“ ist auch gleichzeitig das Deck dessen Audio-Ausgänge mit dem Mixer verbunden werden und dessen „Master“ Button auf der Oberseite aktiviert wird. Sollte man das „Back 2 Back“ Feature nutzen wollen benötigt man zusätzlich zu den zwei V7, dem zweiten Laptop und dem zweiten DJ noch einen Mixer mit vier Line Kanälen. In dieser Konstellation ist es von Nöten auch die Audio-Anschlüsse des zweiten V7 an den Mixer anzuschliessen und den USB Anschluss des zweiten V7 an den anderen Laptop anzuschliessen. Was man allerdings laut Bedienungsanleitung immer vermeiden sollte, ist beide V7 an den selben Laptop anzuschliessen.
Beim B2B wird für den DJ-Wechsel einfach der „Master“ Button des V7 gedrückt an dem der Laptop hängt dessen DJ aktuell das sagen hat. Leider konnte ich diese Situation noch nicht ausprobieren, da weder mein TTM 56 noch mein PMC-06 Pro A über diese Anzahl an Line Eingängen verfügt.
Hat man eines oder alle dieser drei Anschluss Szenarien dann hinter sich gebracht wird man feststellen, das der eingebaute Ventilator nach dem Einschalten eine erhebliche Geräuschkulisse darstellt. Soll heissen: Ist Laut! Dieses etwas störende Geräusch ist aber aus meiner Sicht unerheblich solange man das macht was man mit den Geräten machen sollte, nämlich auflegen!
Das ist dann auch das zweite was einem nach dem Einschalten auffällt: das Auflegen mit dem V7 ist einfach herrlich...!
Der Motor ist sehr stark aber für mich genau richtig. Der Schieberegler für die Antriebsstärke steht bei mir auf High obwohl ich auch nicht unbedingt einen Unterschied zwischen High und Low feststellen konnte.
Die Steuereinheit für das Navigieren in den Crates ist selbsterklärend und verständlich aufgebaut. Unter dieser befindet sich der „Deck Select“ Schalter. Besitzt man zwei V7 bleibt dieser auf der Position des jeweiligen Decks stehen. Bedeutet: Deck A links, Deck B rechts.
Sollte man ( so wie ich anfangs ) nur einen V7 besitzen, so ist dieser Schalter Mittelpunk der Freude und Konfusion gleichermaßen...
Es ist möglich mit einem V7 beide Decks in Itch zu steuern.
Diese Option entzückte mich seit erscheinen des V7‘s und war einer der Gründe mir dieses Gerät zu kaufen.
In der Praxis stellte sich jedoch raus das ich sehr schnell den Überblick verloren habe auf welchem Deck ich mich gerade befand. Ich brauche einfach die optische Unterstützung des zweiten Deck‘s. Abgesehen davon benutze ich beim Mixen oft beide Decks relativ „gleichzeitig“. Da man während dem Mix mit einem V7 dann immer umschalten muss wird der Mix dann noch hektischer und es schleichen sich Fehler ein.
Vielleicht geht es da aber nur mir so...
Würde ich mich darauf beschränken nur zu scratchen und das zweite Deck mit Beats zu befeuern, dann wäre ein einzelner V7 für mich auch ausreichend, aber ich Mixe und Juggle einfach zu gerne.
Weg von mir, zurück zum V7: Unter dem „Deck Select“ findet man den schon erwähnten Master Button, einen „Master Tempo“ Knopf ( wird auch gerne Key Correction genannt ), eine Range Knopf für den Pitch ( 8%, 16%, 50% ), der Pitch und die Pitch Bend Knöpfe welche ich selten benutze weil es ja einen Teller gibt der sich dreht.
Unter besagtem Teller findet man die Hot Cue Button‘s und darunter von links nach rechts den Sync-, Cue und den Start/Stop Button. Links vom ersten Cue Button befindet sich außerdem der Delete/Shift Button.
Hier muss ich leider eine kleine Beschwerde an die Designer richten: Warum zur Hölle ist der Sync und der Cue Button dermaßen Überdimensioniert ( Größe entspricht etwa der des Technics Start/Stop Buttons ) und die Hot Cue Buttons haben die halbe Größe von den Tasten eines Laptop‘s?
Selbst wenn ich Sync benutzen würde wäre für diese Funktion ( so denke ich ) die Größe der Hot Cue Buttons ausreichend. Da aber Hot Cue Buttons auch gerne mal beim Juggeln oder beim Cue Punkt Drumming verwendet werden, denke ich das hier die Devise „Bigger is better“ durchaus angebracht gewesen wäre...aber man wächst ja mit den Aufgaben.
Auf der linken Seite findet man die Effekt Sektion mit der die 12 On Board Effekte ( Phaser, Flanger, Tremolo, Repeater, Reverser, Braker, Crusher, Delay, Echo, Reverb, HPF, LPF ) bedient werden. Der FX Select Drehknopf ist etwas irritierend, da man zur Auswahl des Effekt‘s den Drehknopf nochmal drücken muss um ihn zu aktivieren. Macht bei einem einrastenden Drehknopf nicht so viel Sinn...
Ansonsten kann ich zu den Effekten nicht viel sagen, da ich da nicht so drin bin. Ich nutze am liebsten den Repeater für Stop-Action beim Juggeln und der ist dafür in Sachen Qualität vollkommen ausreichend. Selbstverständlich sind die Effekte Pre-Fade, da sie ja vom Deck kommen.
Der Tap-Button ist wieder Selbsterklärend und der Bleep/Reverse Hebel eigentlich auch.
Trotzdem hier noch mal der Unterschied zwischen Bleep und Reverse: Reverse rastet ein und läßt das Deck dauerhaft rückwärt‘s laufen. Bleep lässt den Teller so lange rückwärt‘s laufen wie man ihn fest hält.
Wenn der Bleep Hebel losgelassen wird springt der Song an die Stelle an der er gewesen wäre wenn der Hebel nicht betätigt worden wäre.
Zwischen Bleep/Reverse Hebel und Teller befinden sich die Drehregler für die Start und Stop Geschwindigkeit.
Sollte man nur einen V7 besitzen so bergen diese drei Hebel/ Knöpfe ein paar Eigenheiten beim Deckwechsel die folgendermaßen aussehen:
Ist der Reverse Hebel auf Deck A eingeschaltet und man Switched zu Deck B, dann läuft dieses natürlich auch rückwärts wenn man nicht daran denkt den Schalter zurück zu stellen. Eigentlich logisch...
Bei den Start/Stop Reglern besteht folgendes Problem. Beispiel: Man stellt die Stopzeit mittels des Drehreglers auf max. und lässt das Deck „absaufen“.
Dann stoppt das Deck A sobald man den Deck Select Schalter umschaltet. Auch wenn das Deck A eigentlich noch ein, zwei Ründchen zu drehen hätte.
Grundsätzlich haben also die „analogen“ Funktionen des Decks im Einzelbetrieb ein Positionsproblem. Im Falle des Pitch Fader‘s hat sich Numark allerdings Gedanken gemacht.
Der Pitch besitzt über und unter der Nullpunkt LED zwei Pfeil LED‘s die anzeigen in welcher Richtung der Pitch „steht“. Man muss den Fader in diese Richtung bewegen um zu dem Punkt zu gelangen an dem er für das jeweilige Deck gerade im „System“ positioniert ist. Erst dann wird der Fader wieder „freigegeben“ und verändert wieder die Geschwindigkeit des Deck‘s.
In der linken oberen Ecke befindet sich die Loop Section. Diese ist aus meiner Sicht etwas schwierig zu verstehen.
Wichtig ist es, das man die zwei Bedienebenen beachtet: In der „Manual“ Ebene ( Mode Knopf leuchtet weiss ) kann man mit Hilfe des IN und Out Button‘s Loop‘s mit beliebiger Länge erstellen. Mit dem Select Button kann man die gespeicherten Loops auswählen. Mit „Reelop“ kann man in zurückliegende Loops zurückspringen.
Ich persönlich nutze meistens die zweite Bedienebene „Auto“ ( Mode Button leuchtet rot ).
Hier kann man Autoloop‘s mit 1,2,4 und 8 Schlägen über In, Out, Select und den Reelop Button setzen.
Die unterste Tasterreihe hat in beiden Ebenen die gleichen Funktionen.
Mit dem „1/2 x“ wird der aktive Loop um seine Länge halbiert. Der „2 x“ Button verdoppelt die Looplänge. Die beiden Loop Shift Button verschieben den Loop um seine eigene Länge in die jeweilige Richtung.
Es gibt noch eine weitere Funktion die mit dem gedrückt halten der „Shift“ Taste aktiviert wird. Zusammen mit IN, Out, Select und Reloop kann man den Loop Roll in 1, 2, 4 oder 8 Schlägen Länge aktivieren.
Dieser ist nur aktiv solange die jeweiligen Knöpfe gedrückt werden ( z.b. Shift + IN ).
Beim Loop Roll läuft der Track, anders als beim normalen Loop nach dem beenden der Funktion an der Stelle weiter an der er gewesen wäre wenn die Funktion nicht aktiviert worden wäre.

Weiter geht‘s zum Strip Search...Nein! Einen Knopf hab ich vergessen! Den Motor OFF...
Dieser schaltet...richtig! Er schaltet den Motor OFF. Aus diesem Grund wird er bei mir nicht benutzt bzw. beachtet.
Also: Strip Search! Nette Idee! Man kann an jede beliebige Stelle im Track springen. Da jeder Track eine andere Länge hat, ist es für mich schwierig ein Feeling für die Position auf dem Strip Search zu bekommen. Aber zum groben Positionieren ist er ganz hilfreich.
Unter dem Strip Search ist etwas das ich eigentlich gar nicht mag: Eine LED Leiste die meine Arbeit überwacht...
Die LED-Leiste zeigt mir an ob die beiden Track‘s das gleiche Tempo haben oder ob einer zu langsam oder zu schnell ist.
Leider reicht Klebeband ( Gafa- oder Panzertape ) nicht aus um das abzudecken. Die LED‘s leuchten durch. Ich habe momentan zwei Streifen Kaugummi ( ungekaut und verpackt ) darauf liegen, da ich möchte das mein Gehör den Job erledigt und nicht das Auge. Klingt bescheuert, ist es vielleicht auch, aber für mich ist Beatmatching traditionell eine Leistung des Gehör‘s.
Neben dem „Kaugummi-Mod“ wurde von mir noch das obligatorische Teller Tuning mittels Plastikfolie unter der Slipmat vorgenommen.
Im Betrieb macht der V7 einen soliden Eindruck. Das Scratchen fühlt sich sehr „echt“ an.
Allerdings ist es schon etwas anderes als mit 12“ zu arbeiten. Trotzdem eine schöne Alternative. Auch Juggeln und Mixen machen extrem Spass...
Für mich ist der V7 momentan der einzige Controller der einen Turntable ersetzen kann.
Das Kernstück ist der gute Motor, das solide Gehäuse und die gute Anbindung an die Software.
Hier nochmal alle Fotos in der handlichen Fotostrecke:

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