Freitag, 10. September 2010

Fader Anthology Infinium Fader


Infinium Fader
Ursprünglich hochgeladen von Crosstown-Beatz

Die Fader Anthology wurde um den Infinium Fader erweitert...Dank an den Richard für das bereitstellen des Mackie D4! Springt rüber zu unserem Flickr Account für mehr Fotos.

Samstag, 4. September 2010

Quasimidi 2, die Synths der ersten Generation.

Als sich jung war liebte ich Spagetti und Nudeln in jeder Form als typische Erungenschaften der italienischen Esskultur.
Wie ich später von einem Italiener erfahren sollte war dies allerdings "beleidigend" für sein Volk, da Nudeln schlieslich nur Vorspeise seien und er die Leute Hassen würde, die das Zeug pfundweise in sich reinstopften und nichts anderes mehr essen wollten.

So ist das mit den Dingen die man für toll hält solange man nichts anderes gehört hatte und so ähnlich war es auch mit Quasimidi, solang meine Wahrnehmung nicht über mein Kaff hinausging war für mich der Raven das Maß der Dinge.

Im Gegensatz zum Quasimidi Quasar, erschien der Raven spezieller zu sein. Der Quasar war eher etwas das es jedem Recht machen wollte, ein Äqivalent zur Roland JV-Serie quasi.

Hier ein besonders übles Beispiel für den Quasar ;-), die Sounds sind hart an der Schmerzgrenze, aber durchaus aussagekräftig, zumindest von der Klangqualli:


Quasimidi protzte bei seinem Erstling ursprünglich noch mit einem überreichlichen Soundangebot, das alle Sparten bedienen sollte.
Gemessen am damaligen Preis des Quasars (knappe 2000 DM) war die Auswahl auch wirklich groß, nur die Qualität eher dürftig.
Neben einem Brot und und Butter Rompler wie einem der damals gängigen JV´s oder JD´s hätte ein Quasar nicht bestehen können, schon damals nicht.
Vieleicht lag es auch unter anderem daran das Quasimidi ihre Marktstrategie auf die damals noch recht unbeackerte Dance Szene ausrichtete.
Als Zweitschlag folgte dann quasi der "Quasar light", der Quasimidi Technox, ein 1 He Synthesizer gleicher Soundqualität der auf den Technobereich maßgeschneidert sein sollte (was rein von der Soundauswahl her auch so war).

Das Viedeo spielt einen Orginal Demo Song zu dem Gerät von Quasimidi, der wurde glaub ich damals von Jörg Schaaf produziert, mit dem Technix und nem Atari.


So ganz allerdings konnte man das "es jedem Recht machen wollen" aber wohl noch nicht ablegen den ungefähr um die Technox Zeit herum kam auch der Quasimidi "Caruso".
Ebenfalls ein 1 HE Gerät, das sich dem Bedürfnissen der Tanzmusiker widmete: wohlgemerkt "Tanz" nicht "Dance" also "Uftatäterä" statt "Puts your Händs in the Äär". Tanzmukke war damasl ein Genere dem Quaimidi wohl nicht ganz unbekannt ist, unter anderem wegen dem "Quasimidi Style Drive" , einem recht universellem Midi Gerät, das Standard Midi Files abspielte und auch das erstellen eigener Styles ermöglichte. Quasi eine Art mehrfunktionale Begleitautomatik, wie geschaffen für Aleinunterhalter.

Aber danach kams, dann veröffentlichte Quaimidi 1995 das Masterkeybord "Cyber-6" (das ich übrigends auch heutzutage noch toll finde) und den "Raven" (den ich zumindest damals toll fand und den ich vermutlich nur deswegen nicht wieder gekauft habe, um die Erinnerung nicht zu beschmutzen)

Das Video ist übrigends eines der wenigen die ich zum Cyber 6 finden konnte, thematisch ist es schon aleine wegen dem "Solton" Teil näher bei den Tanzmuckern.
Aber man bekommt den Arperigator teilweise gezeigt.



Heute blau und morgen blau und übermorgen wieder!

Der Raven war Soundtechnisch, wie eigentlich alle Quasimidi Synths nicht unbedingt ein Meilenstein der Synthesizergeschichte.

Die Geräte der ersten Generation von Quasimidi, also Quasar, Technox, Raven klangen immer ein wenig wie die "Party nebenan".

Vor allem ganze Arangments die nur mit den Geräten "standalone" gemacht wurde klangen einfach, als hätte man die Abhörboxen in einem geräumigen Pappkarton aufgestellt oder würde unfreiwillig Musik vom Nachbarn zwei Wohnungen unter sich mithören.

Quasimidi hatte allerdings ohne Zweifel die Zeichen der Zeit richtig gedeutet und ihre Geräte zu einem Punkt herausgebracht als es de facto keinerlei Mitbewerber gab.

Der Raven war in gewisser Weise noch am ehesten mit einer Workstation zu vergleichen:

Interner Sequenzer, reichhaltiger Klangvorat, allerdings ausschlieslich auf die Bedürfnisse von Dance und Techno/Elektro getrimmt.

Der Einfluss den Quasimidi mit diesem Gerät seinerzeit gewann ist nicht wegzureden und indierekt ist der Raven quasi der Vorläufer des Grooveboxkonzeptes.

Auffällig ähnlich waren z.b spätere Produkte wie der CS1x oder der Roland JX-305, beides auf Dance getrimmte Keyboards in Blau, wobei der CS1x keinerlei Sequenzer oder ähnliches hatte. Konzeptionell dem Raven sehr ähnlich war auch der in aller Eile auf den Markt geworfene Yamaha QS-300, das sogenannte "Ravers-Babe (würg), ein Zielgruppengerechtes Workstationähnliches Dance Instrument das seinen Stamm aber eher in der bekannten Yamaha W-Serie hatte (auch optisch).

Zum Vergleich:
Yamaha CS1X, ein digital klingender, recht handzamer Synth, aber teilweise nett:



Yamaha QS-300, das Ravers Babe:


Die Grundlage des QS-300, eine Yamaha W-7, der QS-300 wirkte schon damals schnell auf den Markt geworfen, quasi eine leicht abgespeckte W7 mit anderen Sounds.



und der Roland JX-305, der allerdings erheblich später als der Raven kam, als Keybordversion der MC-505 Groovebox.


Eine Besonderheit des Ravens war auch das es hunderte bereits fertig eingespielte Patterns gab, die man in einem Teil des Sequenzers per Zufall "neu zusammenwürfeln" konnte.
So was wie der Vorläufer des Magix Musikmakers oder des "Technomakers" von Data Becker (zwei in Fachkreisen seit längerem berüchtigte Namen.)

Einerseits war das für völlig unerfahrene Einsteiger schon hilfreich, weil sie anhand der fertigen Patterns irgendwie eine Vorstellung von Arangment und Aufbau eines Dancesongs gewinnen konnten.
Andererseits konnte so jeder Kretin einen Track zusammenwürfeln, was auch wieder die Gefahr mit sich brachte das allseits verbreitete Vorurteil zu bestätigen, das Techno und Dance jeder Trottel machen könnte wenn er nur ein paar Knöpfe drückt.

Wenn ich heutzutage allerdings die so entstandenen Tracks anhöre, muss ich sagen das die auch sehr zusammengewürfelt klingen, damals befand man sich schon sehr im Rausch; auch Musik zu machen.

Aber so ganz ohne Harmonie und Rhytmusgefühl, ohne Grundkentnisse wie man was, womit mischen kann, klingt alles irgendwie schwammig oder unzusammenhängend. Im besten Falle noch wie Einheitsbrei.

Nächtelang schraubte ich damals am Raven ohne auch nur einen einzigen Ton selber programiert zu haben, so lernte ich immerhin die Struktur des Instrumentes kennen und hatte Spaß.
Rein pädogogisch sicher ein Pluspunkt für Quasimidi, denn hätte der erste mir nicht sofort von Anfang an einen Höllenspaß gemacht, wer weiß wie intensiv ich die Sache in so jungen Jahren sonst weiterverfolgt hätte.

Einer der großen Stärken des Ravens war sicher auch der Sequenzer, ein achtspuriger Pattern Sequenzer mit maximal 8 Takten Aufnahmekapazität pro Spur und fixer Einteilung der Instrumentengruppen für die Spuren.

Die fixe Einteilung war etwas das ich später eher Lästig fand, mit dem man aber leben konnte.
So gab es eine Spur für Bassdrum, eine für Snare, eine für Hihat und eine für Percusions.
Bei den Klangspuren bot der Sequenzer Bass, 2 Synthesizerspuren und eine sogennante Chordspur.
Hätte man jezt einen Track ohne Rythmuspart machen wollen, hätten einem aber nicht die unteren Rhytmusspuren zur Verfügung gestanden um damitt Synthsounds zu steuern, die Bassdrum blieb immer nur für die Bassdrum zuständig.

Insgesammt war der Sequenzer sehr flüssig und einfach zu bedienen, man hatte die Wahl zwischen Echtzeiteinspielen, step by step Aufnahme und Drumgridprogramierung.

Step by step lief so, das man zunächst die Tonhöhe einer Melodie und dan den Rythmus einspielen konnte.

Drumgrid war ein Konzept, in der Art eines Lauflichtsequenzers, die Steps wurden auf dem Keyboard gesezt.

Fertig aufgenommenen Parts konnte man z.b mit Pitch oder Filtermodulation nachträglich bearbeiten.

Ab der Erweiterung "Raven MAX" war es auch möglich Arpegiotorlinien oder Chor und Gatersequenzen im Sequenzer aufzunehmen, man spielte im Echtzeitmodus dann Akorde, die vom aktivierten Arpegiotor des Ravens rhytmisch zerlegt wurden.
Für die damals üblichen Trancearangments war die Option Arpegios und Gatesequenzen einzubinden ein Segen, allerdings kostete sie auch schlappe 500 DM Aufpreis für das MAX Erweiterungsboard.
Laut Quasimidi bot die MAX Erweiterung zudem Vorteile wie "exaktere Filter", nun was die Filter anging, so konnte man auf der "record" Ebene des Sequencerparts ganz gut mit den "Filtern" rumspielen und diese auch aufnehmen, mittels der Modulations Weels.
Wenn man allerdings auf der Klangeditierungsebene an den Filtern drehte klangen die gleich ganz anders, ich sag mal jeder einfache EQ greift hier krasser ins Klanggeschehen ein als der QM Filter, der wirkte streckenweise eher wie ein "laut-leise Effekt".

Witziger Trick am Rande; wenn man im Systemmenü die Midi-out Tätigkeit des Ravens ausstellt, klingen die Filter wirklich exakter!
Sind sie eingeschaltet, klingen die Filter hörbar "stufig" und ich meine wirkliche Stufen ;-)

Im Sequenzer programierte Patterns konnte man beim Raven in einer Art "live" Modus über die Tastatur muten.
Man konnte die Harmonien über eine zweite Zone transponieren und zusätzlich dazu über eine dritte Zone Solos spielen, auch mit Arperigator Effekt.

Die Tanzmusiker wären vermutlich begeistert gewesen, leider trafen nur die Sounds nicht unbedingt ihren Geschmack.

Der Sequencer bot ebenfalls die Möglichkeit ganze Songs aus bereits fertigen Patterns, oder aus selbsterstellten, zusammenzubasteln.

Es gab ganz Workstation like auch einen "Performance Modus" also einen wo man Splits erstellen und Sounds schichten konnte, naturgemäß klangen die so geschichteten Gebilde eher fetter, als der Klangvorat den man im Sequencer verwursten konnte. Einem der nur den Raven hatte und der Dancearangments machen wollte brachte das natürlich herzlich wenig.

Früher dachte ich mir immer: "irgendwann wirst du die Sounds aus dem Performance Mode sampeln und dann kannst du mit ihnen auf Sequencerebene arbeiten".
Als ich´s dann irgendwann wirklich gekonnt hätte fiel mir ein fataler Denkfehler auf; "Jezt wo ich einen Sampler hatte, warum sollte ich da mit dem Raven arbeiten?"

Meine Freunde wissen; wir verdanken diesem Gerät zahllose lustige Nächte, unzählige Abende und unzählige Tracks die heutzutage keiner mehr hören will (nicht wegen dem Raven, sondern weil sie auf Casette sind ;-)

Es war eine schöne Zeit aber dennoch fristetet der Raven die lezten Jahre bis zur endgültigen Ausmusterung eher ein reines Masterkeyborddasein in meinem Studio.

Übrigends ist die, streckenweise selbst von Wikipedia vertretene, Ansicht, der Raven und der Cyber 6 wären dasselbe, der Raven nur mit Klangerzeugung, schlicht falsch.

Der Cyber 6 hatt den ausgefuchsteren Arperigator und den gleich 2 mal gleichzeitig (Raven nur 1 mal) und der Cyber 6 sendet die Arperigator Signale auch "real" über Midi out (sollte für ein Masterkeybord ja eigentlich auch so sein) der Raven nur "nominal", das heißt im Handbuch ist die Option da, im Arperigatormenü kann man sie auch einschalten, nur machen tut ers trotzdem nicht ;-)........allerdings vieleicht war das natürlich auch nur bei meinem so, bis mir das auffiel wars auch eh bald wieder egal.

Der Italiener der mir das mit den Spagetti beigebracht hatte fand den Raven "echt voll krass", das "völlig abgefahrendste was er je gehört habe" rückblickend finde ich das für uns Eelktronischen Musiker schon ganz schön "beleidigend"! (Sorry Pino)

Raven in der Praxis:


..diesen Track hab ich beim Stöbern gefunden, witzigerweise ist der Raven gar nicht im Video zu sehen sondern ein junger Herr der auf Keyboards späteren Baujahres herumfingert, die aber im Track definitiv nicht eingesezt sind. Der hörbare Track besteht nur aus Ravensounds und zudem nur aus Presetpatterns des Raven die wie es scheint "live" gemutet wurden (wer sichs anhört weiß was ich meine).
Da es ein "Erinnerungstrack" ist wünsche ich dem jungen Herren mal das beste.



hier zu hören, der Performance Modus des Raven:



hier zu hören, das wirklich schreckliche Raven Piano und einige Sounds:


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