Mittwoch, 18. August 2010

Quasimidi 1

Liebe Crosstown Leser, da ich mittlerweile ja auch ein alter Sack bin, sehe ich mich zu meiner ganz besonderen Freude in der Lage, einen Schwenk aus meiner Jugend zu erzählen die sich, den Gerüchten nach ja nur um Synthesizer gedreht haben soll.

Um die Gerüchte also zu erhärten, eine mehrtreilige Geschichte über die Firma Quasimidi in Kirchhain.

Quasimidi war zumindest mal ein skurieler Name.
Anfang der neunziger eine junge Firma die Synthesizer in Deutschland baute.

Den ersten Anzeigen nach, die mich damals auf die Firma aufmerksam machten, war Quasimidi wohl so etwas wie das bekannte gallische Dorf. Eine kleine Wiederstandsburg, umgeben von Japanischen und Amerikanischen Mitbewerbern die den Markt dominieren.
Wie ich später feststellen sollte, war das natürlich eher Propaganda, den natürlich bauten auch andere deutsche Firmen Synthies (allen voran "Waldorf" aber auch die damals nur Insidern bekannten "MFB")

Nun muss man sagen das ich jung war, schnell begeisterungsfähig und unerfahren.
Wenn diese Faktoren zusammenkommen ist man oftmals schnell breitgeschlagen und glaubt so ziemlich alles.
Aber das werden die Crosstown Leser ja auch aus eigenenr Erfahrung wissen.

Damals war ich auf der Suche nach einer Möglichkeit, selber Musik zu produzieren.
Leser, die der Gnade der späten Geburt anheimgefallen sind, werden das aus heutiger Sicht kaum noch nachvolziehen können, aber in den früh-neunzigern war das gar nicht so einfach.
Heutzutage lädt man sich eben ein paar Programme aus dem Netz und probiert erst mal ein wenig rum.
Man kann im Prinziep mit Freeware schon hörbare und technisch anspruchsvollere Songs bauen.
Ca. 1993, als ich meine Fühler begann auszustrecken, gab es weder Internet im heutigen Sinne, noch genügend leistungsfähige Rechner um "stand-alone" Musik zu produzieren.

Man hatte quasi also nur den steinigen Weg, die Investition in Hardware Instrumente und die war nach den Maßstäben eines Schülers in der Spätpubertät schwindeleregend hoch.
Sieht man von der Möglichkeit von Diebstahl und der programierten Privatinsolvenz durch Ratenkauf ab, blieb natürlich noch das jahrelange spaaren.

Damals hieß das quasi; jedes Wochenende feiern gehen, reichlich Frauen und dergleichen würde erst mal völlig flachfallen.
Ein Glück quasi, das angehende Produzenten damals, neben einer gehörigen Technikverliebtheit noch ein ungesundes Maß Introvertiertheit und Verträumtheit an den Start brachten.
Feiern und Frauen im Übermaß also sowieso eher weniger praktiziert wurden.

Das waren zum sparen schon mal gute Startbedingungen.

Dafür das die finanzielle Hürde erst mal nicht so hoch wurde wie ich zunächst befürchtete hatte sorgte ganz unverhofft dann Quasimidi.

Qusimidi erwieß sich damals ganz selbstverständlich als der Katalysator meiner unreifen Träume, als einzige Firma versprachen sie einfache Bedienung und Einsteigerfreundlichkeit und das wichtigste von allen; alles mit einem Gerät machen zu können.

Das erste Objekt meiner Begierde sollte der Quasar werden, allerdings konnte man mit dem tatsächlich nicht alles machen, den was ich damals nicht wissen konnte; man brauchte natürlich einen Sequenzer und den brachte der Quasar nicht mit, er war nur ein Expander.
Im Grunde Analog zur Roland JV-Serie, aber natürlich nur konzeptionell, nicht klanglich.
Nu ehe sich der Preis meiner Träumerei in harter Mark auf meinem Konto manifestieren konnte, brachte Quasimidi dann den Raven raus (seperater Bericht zu dem folgt noch), der wenig später mein erstes Gerät werden sollte.

Was bei dieser Firma tatsächlich anders war, ist das Quasimidi Dierektmarketing betrieb und die Kunden auch selber, ab Werk belieferte.
Für mich machte sie das ungemein sympatisch (der Himmel mag wissen warum eigentlich), aber ich mochte die Leute an der Infohotline und war damals bei meinem ersten Anruf so aufgeregt als würde ich mit Sven Väth persönlich reden.
In meinem jugendlichen Verstand schrieb ich den Synthesizerbauern auch tatsächlich ähnlichen Kultstatus zu, Ultracool eben und das der freundliche Herr an der Hotline nicht selber die Synthies zusammenschweist war mir irgendwie auch unklar ;-)
Meine erste Bestellung war auch sowieso kein Synthesizer sondern "Demo CD´s" zu den Expandern "Quasar" und dem abgespeckten "Technox".
Im Nachhinein würde ich sagen, das es eher befremdlich ist eine Demo CD auch noch bezahlen zu müssen aber seis drum.


...im Video könnt ihr Fragmente der Demo CD´s von damals hören, heutzutage schon schrill, aber so wars damals halt ;-)

Quasimidi bot als einzige Firma alle Werbesprüche die ich hören wollte; sie versprachen kostengünstige Geräte, maßgeschneidert auf das Elektro und Technomusikgeneree, damals tatsächlich erst mal ein Unikum.

Die noch recht junge Szene verfügte über keine Lobby unter den Instrumentenherstellern wie heute.
Die großen wie Korg oder Roland rannten eher dem besten Klaviersampel hinterher und bauten "Tischhupen" für jung und alt.

Preisgünstig ist jezt natürlich eher relativ, den mein erster Synthie, der QM "The Raven" kostete mich dennoch 2600 € was aus heutiger Sicht tatsächlich schwindeleregend ist für einen "Einsteigersynthesizer".
Maßgeschneidert stimmte dagegen tatsächlich, die Geräte erwiesen sich als recht einfach erlernbar und Anfängerfreundlich.
Meine ersten Produktionen fuhr ich ausschlieslich über den Raven, ohne alles externe Gear.
Die Soundqualität allerdings blieb ein wenig hinter den Erwartungen, mumpfelig, dumpf und mit deutlichen Artefakten, was daran lag das die Firma um Speicherplatz zu spaaren an der Qualität der gespeicherten Sampels knauserte, dafür gab es allerdings Zielgruppengerechte Sounds satt!

Heutzutage ist bei Quasimidi der Ofen sprichwörtlich aus, die Firma existiert nicht mehr.
Wirklich erstaunlich ist die ungebrochene Beliebtheit der Geräte, zumindest wenn man es an den Preistrends auf E-bay misst.

Heutzutage würde ich selber keinen Quasimidi mehr in der Produktion einsetzen, außer den wirklich tollen "Cyber-6" ein Masterkeybord mit internen Sequenzer.
Ich vermisse meinen Raven manchmal, aber eher aus nostalgischen Gründen, die erste Liebe vergisst man ja auch nie ;-)

Auf diesem Video hört man Auszüge aus der damaligen Demo CD zum Quasimidi Synthie "Technox"

3 Kommentare:

  1. Endstation Liebe und der Quasimidi Sirius ;-)

    Lg, J.

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  2. Vielen Dank für den Bericht über Quasimidi.
    Ich bin immer noch der Meinung, dass diese Firma bzw. deren Geräte hoffnungslos unterbewertet sind.
    Dafür spricht m.E. auch die ungebrochene Beliebtheit bei ebay nachdem die schon seit über 10 Jahren vom Markt verschwunden sind.
    Ich bin u.a. stolzer Besitzer von Quasar, Polymorph, 309 und RavenMaxx. Mit diesen Geräten alleine kann man keine professionellen Produktionen fahren, das sollte jedem klar sein, auch wenn die Werbung was anderes behauptet hat.
    Ich empfehle einen Blick auf das Polymorph Video von 9thLayer bei youtube, da muss ich sagen: Hut ab!!

    Was mich immer gestört hat, war die massive Werbung der Geräte als Technotröten.
    Zum Glück gibt es jemanden, der diese Sachen auch noch reparieren kann bzw. Ersatzteile vorrätig hat.
    Eine Anmerkung noch zum Preis des Raven. Dort müsste DM statt € stehen. Bin schon gespannt auf den Bericht über den Raven.
    Weiter so...
    Gruß
    timewindx

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  3. Hi Timwindx, danke für den Kommentar. Ja stimmt, natürlich nicht Euros (von denen wuste mitte der neunziger tatsächlich noch kaum einer was ;-)
    Der Polymorph ist in vielfacher Hinsicht sicher einer der besten GEräte die QM hergestellt haben und hatte sich in der Meinung der Fachpresse sogar mit Konkurenten wie z.B dem Virus A behaupten können, auch hier vermutlich nicht wegen der überragenden Transparenz des Sound aber er klingt doch unverwechselbar und besonders der Sequencer ist toll. Der Mann der den Support macht heist Mathias Spellbrink und ist nur zu empfehlen, sehr nett und auch günstig. Mathias hatt übrigends den Polymorph als Neugerät aufgelegt (natürlich in begrenzter Stückzahl) und verkauft ihn auf Anfrage für ca 700 €. Die QM GEräte sind auf ihre Weise sicher sehr Charakterstark im Sound und auf jeden Fall kann man sehr viel und sehr intuitiev mit ihnen Spaß haben. Grüße

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