Sonntag, 11. April 2010

Korg Microsampler



Der letzte Keybordsampler kam vor einer gefühlten Ewigkeit von Emu Systems.
Das war Ende der neunziger und damals ein reinrassiger Studiosampler, der wie damals üblich mit Stimmen und Filtern nur so protzte.
Danach ging es, wie wir wissen, recht schnell bergab mit den Studiosamplern.
Dementsprechend überascht war ich selber als Korg den Microsampler ankündigte.
Das Format des Samplers ist irgendwie schon an die erfolgreichen Kleinst Keybaords
aus der Microkorg Serie angelehnt.
Studiosampler, will der Microsampler eigentlich auch gar nicht sein.
Eher eine spontane Spaßmaschiene die live recht schnell uns intuitiv zu bedienen ist, wie wir das von den Groove Gadgets von Korg ja eigentlich auch gewohnt sind.

Und wie isser nu?

Optisch ist er recht gewöhnungsbedürftig!
Habe mich darüber ja schon mal ausgelassen aber auch nach einem guten halben Jahr finde ich nicht das er eine Ballprinzessin ist.
Stielsicher imitiert der Microsampler den Look eines russischen Feldfunkgerätes der achtziger Jahre, selbst das Microfon stimmt.
Die Verabeitung lößt bei mir eigentlich auch keine wirklichen Begeisterungsstürme aus.
Das Teil ist aus Plastik gefertigt, was den Look eigentlich nur unterstreicht.
Zwar sauber gefertigt, aber doch sehr sehr leicht und in mancher Hinsicht nicht sehr vertrauenserweckend, was die Robustheit für den harten Liveeinsatz angeht.
Immerhin, die Bedienknöpfe sind in der Frontplatte versenkt, das finde ich für den Transport nicht übel, so kann immerhin nichts abbrechen.

Das Keboard selber spielt sich ein wenig schwammig finde ich, es ist recht leicht im Anschlag und ungemein Plastikhaft: Ich habe nichts großes erwartet und die Erwartungen wurden nochmals unterboten, zumindest was die Tastatur angeht.
Die Zeit wird zeigen wie robust der Microsampler wirklich ist.

Das Mic. wird über einen XLR Stecker mit dem Gerät verbunden, dieser ist auf der Frontplatte eingelassen.
Was das mitgelieferte Mic. angeht: Das kann man knicken und nicht nur weil es ein Schwanenhals ist!
Das eigentlich absehbare Problem ist das die Entkopplung des Mics. vom Gehäuse nicht gegeben ist und so jedes, aber wirklich jedes Störgeräusch über das Gehäuse dierekt mit aufgenommen wird.
Fußtritte und das drücken der Aufnahmebereitschaft inklsuive.
Ein deutliches weißes rauschen kann das Mic. ebenfalls nicht verleugnen.
Mit einem eigenen, angeschlossenen Mic. verbessert sich die Klangqualität sofort hörbar, was eigentlich auch zu erwarten war.
Das experimentieren mit Spachfragmenten jedenfalls, ist etwas was mit dem Gerät sofort riesen Spaß macht.
Vor meinem geistigen Auge sprangen sofort MC´s oder Beatboxer rum, die den Microsampler als erweiterte Gürtelschnalle oder luxeriös blinkenden Halsschmuck mit auf der Bühne haben, Soundmäßig ist das Gerät für diese Musikergruppe mehr als intresant.

Technisch bietet der Microsampler im Prienziep nichts unheimlich neues, aber das dann doch so intuitiv und spontan bedienbar, wie ich es noch nie je bei einem anderen Livesampler gesehen habe.
Jede beliebige Aktion ist aus dem laufenden Betrieb, sprich laufenden Sequenzer heraus möglich, ohne das die interne Clock des Gerätes merklich aus dem Takt gerät, aleine das ist ein Killer.
Verbrauchte man früher noch lange Winterabende mit dem mappen von Sampels und dem zuweisen von Tastaturzonen, kann man mit dem kleinen Korg eifach so Spaß haben, der erledigt das nämlich alleine und ohne Zeitverzögerung.
Gespielte multis klingen natürlich nicht wie auf einem hochauflösenden 96KHZ Sampler ala Akai Z-Serie, aber vieleicht macht auch gerade diese Ästetik immer den Reiz eines Gerätes aus?
Auf jeden Fall aber das nahtlose "spielbereit sein"!
Für den Samplingvorgang selber bietet der Microsampler 5 Samplingverfahren, die über einen Drehregler spontan wählbar sind:


Loop-Sampling
(wie der Namen sagt),
One-Shot sampling für Drums oder Hits),
Gate Sampling (für melodisch auf der Tastatur spielbare Sampels),
Auto-Next (das heißt das daß Eingagssignal rythmisch zerhackt und dann der Tastatut zugeordnet wird, also quasi Beat-slicing wie wir das früher bei den MPC´s von Hand gemacht haben um Drumloops und Melodien an das Songtempo anzupassen...ging ja auch nicht anders) und
Key Gate ( die Maschiene sampelt solange eine Taste der Klaviatur gedrückt wird, das Sampel wird dann dieser Taste zugewiesen)

Das aufgenommenen Material kann mit der Engine des Microsamplers nachträglich noch verbogen werden.
Es gibt z.B mit Time stretching die möglichkeit das Tempo ohne beeinflussung der Tonhöhe zu ändern (sicher heutzutage kein Spektakel mehr aber doch recht spontan einzusetzen), die Sampels könne auch rückwärts gespielt und Normaisiert werden.
Resampeln ist auch möglich, auch das der Microsampler sich selbst aufnimmt, z.b wenn man einen Sequencerpart als Loop aufnehmen möchte.
Die Sampelauflösung ist zwischen den Werten 48/24/12/6 KHz fix wählbar.
Bei höchster Auflösung kann das Gerät bis zu 160 sek. in mono aufnehmen, für Computerfreaks die den Sampelspeicher üblicherweise in Gigabytes rechnen sicher erst mal Gewöhnungssache.
Aber mann kann den Massenspeicher ja auf die Computerfestplatte auslagern.
Auf acht Bänken können je bis zu 36 Sampels verwaltet werden, die von der Enigne 14 stimmig polyphon gespielt werden können.
Das spielen von Stereovoices reduziert die maximal gleichzeitig spielbaren Sampels logischerweise.
Bei Stereoloops sind also maximal 6-7 gleichzeitig spielbar (realistsich betrachtet laufen aber live eh selten so viele Loops gleichzeitig).

Sequencer:

Der Sequencer arbeitet auf Patternbasis und ist in "Echtzeit" bespielbar, quasi über die Tastatur auf "eine" Spur pro Pattern......ja richtig gelesen nix Lauflicht und nur 1 einzige Spur.
Diese 1 Spur ist aber im Prinziep mit vielen Layers überspielbar, also quasi erst die Drums und dann im Mulimodus eine Bassline und noch ein paar gesampelte Scratches ist kein Problem...
Nachbearbeiten dann allerdings schon, das geht nähmlich nicht.
Das Fassungsvermögen des Sequenzers ist auf 16000 Noten begrenzt, die bekommt aber nach meiner Schätzung eh niemand voll.
Maximal 16 Patterns können eingespielt werden.
Das ist insgesamt also eher ein musikalisches Notizbuch und für heutige Verhältnisse sicher alles andere als ein Traumsequencer.
Selbst als rudimentärer Livesequencer ist´s irgendwie nicht genug, zum rumjammen mit Batteriebetrieb im Freibad gehts sicher klar aber wenigstens Lauflichtmodus und zugriff auf Einzelnoten hätte ich mir schon gewünscht.
Allerdings ist der Sequnecer wenigsten völlig frei, ohne stoppen von play auf record umschaltbar und auch das umschalten der Patterns bringt die Maschiene nicht aus dem Takt.

Effekte

Ja gibt es, 21 an der Zahl und wie zu erwarten war lehnen die sich an die bekannte Kaos-Pad Serie an.
Neben den üblichen Standards wie Chorus und Delay gibt es auch Grain Shifter und dergleichen.
Qualitativ finde ich sie o.k, allerdings auch nicht überagend, ich würde lieber ein externes Kaos-Pad 2 oder 3 für live mitnehmen.
Ich hätte lieber einen brauchbare Synthesefilter an Bord gehabt und auf die Effekte völlig verzichtet.

Software

Die mitgelieferte Editor Software hatt einen recht hohen Nutzwert unkompliziert und schnelle Verbindung mit dem Gerät.
Mann kann Sampels dierekt am Rechner auswählen, schneiden und verändern und schnell über die USB Verbindung dierekt auf die Bänke des Gerätes feuern.
Nur kurz danach sind die Sampels schon am Gerät spielbereit, das geht sogar live mit Laptopp schnell und dierekt.
So hätte ich mir das immer für die aktuellen MPC´s gewünscht.
Insoweit ist der kleine auch ein unterhaltsammer Begleiter für Laptopp Live Acts.

Fazit:

Insgesammt ist die Hütt ihr Geld mehr als wert, an der Verarbeitung und der Tastatur gibt es zwar zu meckern aber die Technik stimmt und macht Spaß und lezteres ist irgendwie ja die Hauptsache bei einem Groovegadget.
Symphonische Orchester wird niemand mit der Kiste simulieren wollen und auch nicht können, aber das ist sowieso nicht der Anspruch.

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