Mittwoch, 11. März 2009

MPC Spezial 2.0: Die MPC5000


Anläßlich der Veröffentlichung des neuen Betriebssystems ist es wohl mal an der Zeit das ich was über das derzeitige Flagschiff von Akai schreibe.Die 5000ér kam ja vor einem Jahr doch recht überaschend auf den Markt, Optionsseitig klangen die Ankündigungen damals schon nicht schlecht: interner 8-Spur HD-Recorder, eingebaute Festplatte (naheliegend bei dem HD) und eingebauter VA-Synthesizer mit 300 Presets. Der Verdacht das Akai mit der 5000 einen Gegenpool zum Konkurenzprodukt Roland MV-8800 schaffen wollte ist eigentlich recht naheliegend, auch wenn die beiden in der Praxis dann doch recht verschieden sind. Die 5000 ist dann doch eher die spontane Groovebox mit Patternsequenzer, der MV-8800 ist wie sein Vorläufer MV8000 eher eine Art Computerersatz mit Timelinesequenzer der auch Pattern kann, aber ein wenig umständlicher als die MPC´s. Was man besser gebrauchen kann richtet sich nach dem Einsatzzweck und den Vorlieben denn im Studio punktet der Rolandkonkurent mit einigen Ausstattungsmerkmalen die das MPC-Flaggschiff nicht bietet (u.a. Anschluss von externen Monitor und Maus möglich). So kommt es dann auch das die MPC 5000 bei erstveröffenlichung ein wenig notdürftig wirkte (zumindestens war das so als ich sie auf der Musikmesse 2008 ausgiebig am Akai Stand getestet habe). Optionsseitig klang das alles recht toll aber in vielerlei Hinsicht sind Optionen ja auch eher Papierargumente. Vielleicht sehe ich das ja auch so eng weil ich bei der Ankündigung eines neuen Flaggschiffs an einen Nachfolger der MPC 4000 gedacht hatte, was aber leztlich kam war eher eine aufgebohrte 2500 mit HD Recorder und Synthie. Viele meiner Argumente hab ich ja schon mal in meinem Bericht über die 4000 vorgebracht, entäuschend ist tatsächlich am meisten das die 5000 für ein Flaggschiff zu wenig maximalen RAM verwaltet und der Sampler eine zu geringe Auflösung hatt (bedenkt man das in der 4000 ein vollwertiger Z-Sampler mit maximal 96KHz war ist der Standard der 5000 schon ein wenig gering, umso unverständlicher das Akai die alte Engine nicht in die 5000 implementiert hat). Auch Anschlusseitig gab es für mich ne Menge zu motzen, was man schon vermisst ist die Option eine Standard Computertastatur anzuschließen wie das bei der 4000 noch möglich war und auch den USB Master vermisse ich gänzlich (obwohl der bei der 4000 nicht gerade praxistauglich angebracht war, aber das nur am Rande). Mit Betriebssystem Version 2.0 für die 5000 hatt Akai nun einen Haufen Kritikpunkte gutgemacht die für mich persönlich absolute "Kaufkiller" waren und so punktet die 5000 denoch als solide und tolle Maschine die mit knapp 2000,- € UVP auch recht günstig ist (Wenn man berücksichtigt das die 4000 mit allen Ausbauten seinerzeit das gut dreifache gekostet hatt).
Die Verarbeitung der Maschine ist Akaitypisch sehr solide, die Pads haben einen guten Anschlag ohne zu weich zu wirken, für Drummings also gut zu gebrauchen. Das Display ist gut lesbar und vom Außmaß auch gerade richtig, alle Bedienelemente wirken wertig und auch wildesten Sessions gewachsen (man könnte sich nicht vorstellen auf einen Laptop dermaßen loszugehen wie auf ein MPC Modell). Alles was mir wie immer ein wenig Kopfschmerzen bereitet ist das Jogdial (Datenrad) mein Favorit war das leichtgerassterte und flüssig zu bedienende Rad aus der älteren MPC2000 Baureihe, das Eingaberad der 5000 ist mit dem der 2500 identisch und wirkt schlichtweg billig und plastikhaft :-( Die Knöpfe der numerischen Tastatur und die Funktionsknöpfe unterm Display sind mir ebenfalls suspekt, auch wenn die in nahezu allen MPC´s ähnlich sind, sie wirken immer ein wenig wackelig und ich habe meist Angst das sie wilderen Liveeinsätzen nicht gewachsen sind, fairerweise muss ich allerdings auch dazu sagen das es mir selber bisher noch nie gelungen ist einen dieser Funktionstaster an meinen MPCs zu schießen. Im Vergleich zur 4000 ist die MPC5000 ein wenig kleiner und leichter geworden, dennoch dürfte sie auf den Hardwareunerfahrenen Laptopmusiker wie ein Tiger Panzer auf einen Radfahrer wirken, massiv und schwer. Positiv ist mir der Zuwachs an frei belegbaren Echzeitcontrollern aufgefallen, bei Akai Q-links genannt, mit vier Fadern und acht drehreglern lässt sich schon eine Menge machen, allerdings hatte die Einführung des Synthesizers auch mehr Regler erfordert, nehme ich mal an. Anschlusseitig gibts bei dem Gerät nicht viel zu meckern, alles was heutzutage da sein sollte ist da, mit Ausnahme eines Master USB´s vielleicht. Angenhem auch das die Einzelausgänge bereits im Gerät eingebaut sind und nicht etwa wie bei den älteren Modellen erst noch nachgerüstet werden müssen, gleiches gilt fürs Effektboard.
Das Gerät läßt sich sehr flüssig programieren. jeder der schon mal mit einer MPC gearbeitet hat dürfte sich hier schnell zurecht finden, der Sequencer bietet das gewohnte Pattern/Track Prinzip, mehrere Patterns die ihrerseits aus mehreren Einzelspuren bestehen können eingespielt und später zu ganzen Songs kombiniert werden. Die Einzelspuren können entweder den internen Sampler, den internen Synthesizer oder eine Midispur triggern. Der Sequencer war lange Jahre ja eines der Argumente für die Arbeit mit MPC´s: bombenfestes Timing, Tight und intuitiv, absturzsicher und zuverlässig. In dieser Hinsicht hat sich nicht viel geändert, allerdings finde ich schon das man hier ein paar Inovationen mehr hätte einfließen lassen können: eine Programierung in Echtzeit, also Steps setzen und speichern, laden von Sampels usw. ohne Sequenzerstopp wäre sicher nicht zu viel gefordert und auch Echtzeitstreaming der Samples von Speichermedien könnte mann heutzutage schon erwarten.
Was ich auch irgendwie bei einem Spitzenmodell erwartet hätte wäre eine Art "TI" integration wie man das ja schon von den Acess Virussen kennt oder zumindest eine Art Editor der Samples direkt ins RAM schreibt und mit dem man Samples im laufenden Betrieb auswechseln kann, auch VGA-out wäre nett gewesen außerdem eine höhere Sampleauflösung. Vieles hat Akai ja schon verbessert, so ist es mittlerweile z.b möglich die 5000 als normalen Sampler mit Multisamples zu nutzen und auch bestehende Akai Programme aus der Z und der S-Serie zu laden. Leider macht auch die Begrenzung des RAM Speichers den Braten nicht gerade Fett, den die MPC 4000 konnte ja bereits 512mb verwalten, die 5000 nun erheblich weniger.
Der Synthesizer ist schon sehr nett, ein klasischer VA-Synthie mit subtraktiver Synthese und 300 werksseitigen Presets. Der Synth klingt ordentlich, typisch VA mäßig recht mittig aber O.K. Nichts was einen Nordlead oder einen Radias ersetzen würde, schon gar keinen Moog aber doch einsetzbar. Akai hatte ja bereits umfangreiche Erfahrung mit der Synthesizerentwicklung gemacht, so stammen diverse Konzepte aus Alesis Synthies auch von Akai und in den achtzigern gab es einige, heute fast vergessene Akai Synths (mit denen hat der in der 5000 allerdings nix mehr zu tun)

Der HD Recorder ist ebenfalls sehr nett, leider auch nicht mehr als das, denn die Einbindung von Aufnahmen in den laufenden Sequencer ist recht umständlich, verglichen mit Logic oder Cubase. Allerdings finde ich die Option für live recht praktisch wenn man mit extrem langen Ambientdrones oder Hintergrundatmo's arbeitet. Allerdings gibt es HD Optionen auch in den kleineren MPC Modellen, sofern man das alternative Betriebssystem JJOS nuzt (genauso übrigends wie Multisamplingoptionen)

Die Effekte sind etwas was im Vergleich zur 4000 wirklich erheblich besser geworden ist, es gibt Effekte für die Samples und welche im Masterweg die alle recht gut klingen.

Mann sollte sich nichts vormachen: die 5000 legt man sich als Prestigeobjekt zu, oder als Liebhaberstück, der Nutzwert einer MPC2500 mit JJOS ist höher und preislich besser. Die dicke Akai ist eine tolle Maschine aber sie kommt einige Jahre zu spät um wirklich inovativ zu sein. Ich persönlich denke ja das sie es am neubelebten Grooveboxmarkt ein wenig schwer haben wird sich zu behaupten, es sei denn Akai senkt die Preise, den 2000,-€ ist heutzutage happig, vor allem wenn man dazuberechnen muss das der Ram noch aufgerüstet werden müste und der DVD Brenner auch nur optional ist. Bevor man sich das Gerät wirklich kauft sollte man es ausführlich testen.

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